Gedanken zum Fest des hl. Dominikus und zum Jubiläum 800 Jahre Dominikanerorden

Künstlerin: Sr. Caritas Müller OP, Carzis, Schweiz - Foto: Sr. Christiane Sartorius OP

»Das Evangelium verkünden ... seit 1216«

Der Festtag des hl. Dominikus am 8. August lädt im Jubiläumsjahr in besonderer Weise dazu ein, sich seiner Gestalt, seiner Zeit, seiner Sendung anzunähern und sich dankbar in Erinnerung zu rufen, wer er war, für die Menschen seiner Zeit, die Kirche seiner Zeit sowie als Ordensgründer.

Um 1174 in Caleruega, Spanien in einem religiösen familiären Umfeld geboren, wurde er nach dem Studium der »Freien Künste« und der Theologie Mitglied des Domkapitels von Osma. Zu dieser Zeit richtete Dominikus häufig die Bitte an Gott »er möge ihm die wahre Liebe schenken, die wirksam sei für das Heil der Menschen«. Libellus - Monumenta Ordinis Fratrum Praedicatorum XVI (1935) Nr: 13.

Auf dem Weg  nach Norden, im Auftrag des kastilischen Königs, wurden ihm und seinem Bischof Diego von Osma völlig neue und unerwartete Einsichten und Einblicke in die kirchlichen und sozialen Milieus zuteil. 1206 trafen Diego und Dominikus in Montpellier auf drei Zisterzienser, die sich als päpstliche Legaten ohne Erfolg um die häretischen Katharer, mühten. Diesen riet Diego zur radikalen Änderung ihres Auftretens. Statt hoch zu Ross und mit einem großen Tross sollten sie es den Katharermissionaren gleichtun und als arme Wanderprediger umherziehen. Auf diesen Rat folgte die Tat. Der Bischof hielt sich an seinen eigenen Rat und schickte einen Großteil seiner Begleitung voraus nach Osma. Nach dem unerwarteten Tod des Bischofs kehrte Dominikus wohl wieder nach Osma zurück. Urkundlich belegt ist seine Rückkehr ins Languedoc für das Jahr 1211. Dominikus und eine kleine Schar weiterer Begleiter wirkten dort fortan unter den Katharern und Waldensern, die sich von der kirchlichen Gemeinschaft abgewandt hatten. Doch galten Seelsorge und Bekehrung nicht nur den Katharern, sondern allgemein der christlichen Gesellschaft. Mit der Zeit reifte in Dominikus die Einsicht, dass seine Schar feste Strukturen brauchte, um das angestrebte Predigtwerk kirchlich und geistlich zu verorten. Bischof Fulko von Toulouse schätze die missionarische Präsenz der Predigergemeinschaft in seiner Diözese hoch ein und begleitete Dominikus 1216 nach Rom. Papst Innozenz III. gab Dominikus den Rat, dass seine Predigergemeinschaft eine bereits bestehende Ordensregel annehmen sollten. Sein Nachfolger, Honorius III., bestätigte in einer Bulle vom 22. November 1216 das gemeinsame klösterliche Leben und Arbeiten und erteilte gleichzeitig die Beauftragung zur Predigt - gerade auch über den engen Rahmen der Diözese hinaus - für die ganze Kirche. Dem entsprach Dominikus sehr schnell. Am 15. August 1217 sandte er bereits den Großteil seiner Gefährten nach Paris und Spanien aus. Aus dieser kleinen und noch überschaubaren Gruppe entwickelte sich mit großer Dynamik der Predigerorden, der bald in ganz Europa und darüber hinaus der Verkündigung des Glaubens und dem Seelenheil der Menschen dienen sollte.

Die nachfolgend wiedergegebenen Texte sind, stark gekürzt, dem Ausstellungskatalog »Mehr als Schwarz und Weiß - 800 Jahre Dominikanerorden« (Regensburg 2016) entnommen:

Mut zum Aufbruch
Um 1200 befindet sich die Kirche in einer bedrohlichen inneren Krise. Das Laterankonzil 1215 bemängelt gravierende Missstände: Die Kirche ist zu reich und zu ungebildet.
Dominikus und die ersten Brüder schließen sich 1215 in Toulouse zusammen, um der Verkündigung des Evangeliums zu dienen, einer Verkündigung, die die Menschen erreicht, im Wortsinn an-spricht.
Als Predigerorden wird die kleine Gemeinschaft am 22. Dezember 1216 von Papst Honorius III. als Ordensgemeinschaft kirchlich anerkannt und zur Predigt beauftragt.

Gespräch auf Augenhöhe
»Dominikanische Theologie nahm ihren Anfang, als Dominikus von seinem Pferd stieg und ein armer Prediger wurde«. (Timothy Radcliffe OP)
Dominikus und seine Brüder sind wandernd unterwegs, suchen die Nähe und das Gespräch mit den Menschen, die sich von der Kirche, ihrer Lehre und ihrem Leben abgewendet haben und sich einer auf Armut bedachten Glaubensbewegung im Süden Frankreichs angeschlossen haben oder auf der Suche nach einem anderen Welt- und Gottesbild sind.
Dominikus sucht den Dialog, während sich weltliche Macht und die Kirche zu einem gewaltsamen Vorgehen entschließen.

Mut zur Wahrheit: Glaube und Wissenschaft
Die aufstrebenden Städte entwickeln im 13. Jahrhundert ein neues Selbstverständnis und verlangen neue Rechte und Bildung, auch in religiösen Dingen. Der Orden reagiert darauf mit seiner eigentlichen Bestimmung: der Predigt und legt besonderen Wert auf das lebenslange Studium seiner Mitglieder.
Zwei herausragende Ordensbrüder sind Albertus Magnus und Thomas von Aquin.

Keine Angst vor dem Fremden
Die Begegnungen des Dominikus mit dem Fremden sind Zündfunken für die Anfänge des Ordens.
Die Brüder bewegen sich immer auf den Feldern von Dialog und Mission, theologischer Abgrenzung und Annäherung. Das Gespräch in der jeweiligen Muttersprache ist dabei grundlegend. Schon im 13. Jahrhundert wird in dominikanischen Sprachschulen Hebräisch, aber auch Arabisch gelehrt.
Die Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Fremden beginnt im eigenen Orden, der international zusammengesetzt ist.

Keine Angst vor dem Lärm der Welt
Die Mystiker Meister Eckhart (+1328), Johannes Tauler (+1361) und Heinrich Seuse (+1366) verfassen Predigten und Anleitungen, um den Menschen mystische Begriffe wie Abgeschiedenheit, Gelassenheit und die Gottesgeburt im Seelengrund zu vermitteln. Sie betonen, dass für eine Begegnung mit Gott kein Rückzug in ein Kloster nötig ist, sondern eine innere Haltung der Abgeschiedenheit: »Gott ist allzeit bereit, wir aber sind sehr unbereit; Gott ist uns nahe, wir sind ihm fern; Gott ist drinnen, wir aber sind draußen; Gott ist (in uns) daheim, wir aber sind in der Fremde« (Meister Eckhart: Predigt 36).

Keine Angst vor den Frauen
Zwischen dem männlichen und weiblichen Zweig gibt es einen beständigen geistlichen Austausch. Viele geistliche Freundschaften hinterlassen Spuren in der Geschichte des Ordens. Viele Namen sind heute in Vergessenheit geraten. Zu ihrer Zeit aber wirken sie und viele ihrer Mitschwestern durch Gebet, Brief und geistliche Gespräche weit über ihre Klostermauern hinaus.
Zum weiblichen Zweig des Predigerordens gehören sowohl kontemplative Nonnen als auch apostolisch tätige Schwestern.
Die bekannteste Dominikanerin ist Katharina von Siena (+1380).

Mut zum Heute - weltweit präsent sein
Für seine Sendung hat sich der Orden seelsorgliche Schwerpunkte gegeben:

  • das Ansprechen von Menschen auf der Suche und in Grenzsituationen
  • die Suche nach dem Gespräch mit anderen Religionen, geistigen Weltanschauungen und sozialen Bewegungen
  • der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden

Bruno Cadoré, der derzeitige Ordensmeister der Prediger, schreibt: »Es ist wichtig, so zu predigen, wie Jesus gepredigt hat. Das heißt: Losgehen und die Menschen treffen, ihnen zuhören und mit ihnen reden. In der Vielfalt der menschlichen Stimmen kann man eine weitere Stimme hören. Die Stimme Gottes möchte am Gespräch teilnehmen und mit allen Menschen reden ...
Die Mitgliedszahlen sind stabil. Wir haben 6.000 Brüder, 3000 Nonnen, 25.000 apostolische Schwestern und etwa 125.000 Laien. Ich denke, die Zukunft wird sehr schön, denn das Evangelium muss verkündet werden.«

Zusammenfassung: Sr. Dagmar Fasel OP